Die Tracht als nationaldräkt, folkdräkt, landskapsdräkt und bygdedräkt

Wenn man im Deutschen von der Tracht spricht, so meint man in der Regel eine historische Kleidung, die mit einer bestimmten Gegend, einer bestimmten Zeit und einer bestimmten Gesellschaftsschicht verbunden wird. Bei der Übersetzung ins Schwedische ist es daher nicht ganz einfach das richtige Wort zu finden, zumal man die Begriffe "nationaldräkt", "folkdräkt", "landskapsdräkt", "bygdedräkt" und "sockendräkt" findet, die alle eine eigene Geschichte haben.
 
Unter "nationaldräkt" (Nationaltracht) versteht man zum einen das "sverigedräkt" (Schwedentracht), eine Tracht, die als Symbol des gesamten Landes gilt und und heute von Frauen des königlichen Geschlechts bei offiziellen Ereignissen getragen wird, zum anderen die originalen "landskapsdräkt" (Landschaftstracht) und insbesondere die zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffenen Trachten, die während der Nationalromantik das schwedische Gegenstück zur ausländischen Modebewegung sein sollten. Nationale Vereine legten den Bewohnern des Landes nahe entweder zum "folkdräkt" oder zum "landskapsdräkt" zu greifen oder eben ein entsprechendes Kleidungsstück zu schaffen.
 
Die "landskapsdräkt" (Landschaftstracht) wird heute von Volksvereinen bei bestimmten Angelegenheiten getragen und soll eine "landskap" (Region) Schwedens ausdrücken, was historisch gesehen jedoch Unsinn ist, denn bis zum 20. Jahrhundert gab es in Schweden keinerlei einheitliche Volkstracht für eine Region, da Trachten nur von reichen Gutsbesitzern getragen wurden und für Feiertage, für Werktage und besondere Anlässe existierten, also allein ein Gutsbesitzer mehrere verschiedene Trachten besaß, die jedoch bereits mit jener des Nachbarn wenig zu tun haben mussten. Erst während der Nationalromantik versuchte man in Schweden diese Kleidung künstlich gewissen Landschaften zuzuordnen, ein Verdient der Heimatvereine.
 
Die "folkdräkt" (Volkstracht) war wiederum die Tracht, die das normale Volk an Feiertagen trug und häufig mit bestimmten kleinen Gebieten des Landes in Verbindung gebracht werden konnte, da meistens ein einziges Unternehmen oder eine Schneiderin für die Herstellung verantwortlich war. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieser Begriff dann mit der "landskapsdräkt" vereint und die beiden Begriffe begannen zu verschwimmen. Bei einem Besuch eines Museum kann man die Unterschiede zwischen "landskapsdräkt" und "folkdräkt" jedoch deutlich sehen. Das "folkdräkt" war daher im Grunde keine Tracht, sondern ein modisches Kleidungsstück, das der "Normalbürger" an Festtagen und Sonntagen trug.
 
Auch das "bygdedräkt" war im historischen Sinn keine Tracht, sondern die Modekleidung der gehobenen Bürgerschicht, die sich ständig änderte und während der Nationalromantik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geradezu seine Blütezeit hatte, in dieser Zeit jedoch mehr und mehr unter den Einflüssen der Zeitströmung war und daher eine Mischung aus "landskapsdräkt" und Modekleidung wurde.
 
In älteren schwedischen Texten findet man auch oft noch die Begriffe "sockendräkt" und "häradsdräkt", das für Trachten benutzt wird, die in bestimmen "socken" (Gemeinde, Kirchspiel) und "härads" (Verwaltungsgebiet) getragen wurden, also in klar abgegrenzten Gebieten, wobei natürlich auch hier parallel die "bygdedräkt" und die "folkdräkt" vorkamen, die Bedeutung des Wortes daher dem Zusammenhang entnommen werden muss.
 
 
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